Claude Code.
Ein Guide für Lehrpersonen, die nicht programmieren — und das auch nie werden.
Es ist Montagmorgen, 7:45 Uhr. Du sitzt am Pult mit einer Excel-Tabelle voller Noten. 27 Schüler. Vier Lernziele. Du müsstest die Durchschnitte berechnen, eine Übersicht für die Elterngespräche zusammenstellen und danach noch schnell 27 personalisierte Briefe schreiben, in denen jede Schülerin und jeder Schüler ihre oder seine Stärken sieht.
Vor ein paar Monaten hätte ich dir an dieser Stelle nur geraten, effizienter zu sein. Heute kann ich dir etwas anderes zeigen: Claude Code. Ein Werkzeug, das aus dieser Situation einen 15-Minuten-Job macht — und dabei nicht mehr Programmierkenntnis braucht, als du zur Benutzung von Google Maps brauchst.
Das Wichtigste zuerst: Claude Code ist kein Programmier-Tool. Ich programmiere nicht. Ich habe noch nie Java gelernt, kein Python, keine dieser Sprachen. Ich benutze Claude Code mehrmals pro Woche, und jedes Mal verkürze ich damit Aufgaben, die sonst Stunden dauern würden. Nicht weil ich schlau bin, sondern weil ich dem Werkzeug einfach beschreibe, was ich will. Auf Deutsch. Mit Umlauten.
Was Claude Code wirklich kann
Lass mich dir fünf konkrete Dinge zeigen, die ich damit mache:
Arbeitsblätter als druckfertiges PDF. Du brauchst ein Übungsblatt für Verbrennungsreaktionen? Mit Lückentext, einer Tabelle zum Ausfüllen und Platz für Notizen? Früher: 45 Minuten in Word herumfiddeln, Layout-Probleme, am Ende sieht es aus wie 1998. Jetzt: Ich beschreibe was ich will, Claude Code erstellt ein hübsches PDF, das ich direkt ausdrucken kann.
Notenkalkulationen in Excel. Deine Notenliste ist ein Chaos: Prozentpunkte von Test 1, Gewichtungen, noch nicht eingetragen. Du brauchst eine Spalte, die automatisch die Durchschnitte nach deinem Schema berechnet. In Excel selbst? Kompliziert. In Claude Code? Du schreibst “Berechne die Durchschnitte so: Test 1 zählt 40%, Test 2 zählt 30%, Mitarbeit zählt 30%.” Claude Code baut dir die Tabelle fertig.
Massen-Personalisierung. Das ist der Game-Changer. Stell dir vor, du brauchst 27 Elternbriefe. Jeder Brief soll den Namen des Kindes enthalten, seine Stärken in Biologie, sein Entwicklungsfeld in Mathematik. 27 einzeln schreiben? Drei bis vier Stunden. Mit Claude Code: Du schreibst den Brief einmal, beschreibst die Struktur, und fragst “Erstelle 27 personalisierte Versionen für diese Liste.” Eine halbe Stunde später hast du 27 Word-Dokumente — jedes mit dem richtigen Namen, den richtigen Noten, der richtigen Anrede.
Datei-Organisation. Du hast 300 Fotos von Klassen-Exkursionen. Sie heissen IMG_7234, IMG_7235. Du bräuchtest sie in Ordnern nach Klasse organisiert und mit aussagekräftigen Namen. Selber machen: Ein Wochenende Arbeit. Claude Code: Du sagst “Organisiere diese 300 Dateien nach Klasse in Ordnern, benenne sie nach diesem Muster.” Zehn Minuten.
Automationen, die immer wieder laufen. Du kannst Claude Code so einstellen, dass es jede Woche die gleiche Aufgabe macht. Zum Beispiel: “Jeden Freitag: Erstelle eine neue Übersicht, welche Schüler ihre Hausaufgaben noch nicht abgegeben haben.” Ab da läuft es. Drücke einen Button, und die Aufgabe ist erledigt.
Das “Vibecoding”-Prinzip
Hier kommt das Missverständnis: Du denkst vielleicht, du müsstest jetzt Code schreiben lernen. Falsch. Claude Code funktioniert nach einem Prinzip, das ich “Vibecoding” nenne — du beschreibst den Vibe von dem, was du willst, und Claude Code macht es.
Ein Beispiel aus meinem Alltag: Ich brauchte für meine Bio-Klasse ein interaktives Quiz zum Thema Verdauung. Meine Anfrage war:
“Baue mir eine interaktive Quiz-App für das Thema Verdauung. Der Schüler soll 10 Fragen sehen, bei jeder Frage hat er vier Antwortmöglichkeiten. Wenn er eine richtige Antwort ankreuzt, wird sie grün. Bei falschen Antworten wird sie rot, die richtige Antwort wird grün angezeigt. Am Ende gibt es einen Score.”
Nicht ein Stück Code von mir. Nur eine Beschreibung. Und paar Minuten später lag auf meinem Desktop eine funktionierende App, die im Browser lief.
Installation: Fünf Sekunden
Das Beste: Installation ist nicht kompliziert. Du öffnest auf deinem Computer das Terminal (ja, diese schwarze Konsole, die dich gruselt). Du tippst claude ein und drückst Return. Dann wählst du einen Ordner aus, in dem Claude Code arbeiten soll. Das war’s.
“Aber die Terminal-Angst!” sagen manche. Verstanden. Aber es ist wirklich harmlos: Terminal öffnen, drei Zeichen tippen, Enter drücken. Keine Befehle, kein Studium nötig.
Die CLAUDE.md als Gedächtnis
Ein Geheimtipp: Du kannst eine Datei namens CLAUDE.md anlegen, in der du aufschreibst, wie Claude Code arbeiten soll. Zum Beispiel: “Diese Excel-Tabelle verwendet das 6er-Notensystem der Schweiz.” Oder: “Alle Dateien sollen auf Schweizerdeutsch benannt werden.” Claude Code liest diese Datei bei jedem Start und weiss dann Bescheid.
Es ist wie einem neuen Praktikanten am ersten Tag ein Merkblatt zu geben: “So machen wir das hier.”
Warum das die Lehr-Realität verändert
Zurück zum Montagmorgen. Die Excel mit 27 Schülern. Die 27 Briefe. Das PDF-Arbeitsblatt. Mit Claude Code brauchst du dafür vielleicht eine halbe Stunde statt fünf Stunden. Das ist ein Unterschied zwischen “Ich schaffe es vor der Pause” und “Das mache ich am Sonntagabend noch schnell”.
Und es geht nicht um Effizienz um der Effizienz willen. Es geht darum, dass du dich auf das konzentrierst, das wirklich nur du machen kannst: Mit deinen Schülern im Gespräch sein, ihre Fragen beantworten, ihnen zeigen, warum Chemie cool ist.
Die Verwaltung? Das kann Claude Code übernehmen.
Wenn du Lust hast, es auszuprobieren: Öffne ein Terminal, tippe claude ein, und lass dich überraschen. Du brauchst dafür keine Vorkenntnisse, kein Selbstvertrauen in Technik, nichts. Nur die Bereitschaft, es zu versuchen.
Meld dich gerne, wenn du Fragen hast.



